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Die innere Sicherheit

Dieser Eintrag stammt von Thilo Nordmeyer Am 30.4.2008 @ 09:02 In Medien-News Deutschland | Keine Kommentare

Sie sind steckbrieflich gesuchte Staatsfeinde. Seit Jahren versteckt sich das Paar im Untergrund, verbirgt sich - als Touristen getarnt - hinter Sandburgen in Portugal oder in leer stehenden holsteinischen Häusern.

Als ehemalige RAF-Mitglieder gefährdeten die beiden einst die «innere Sicherheit» ihrer Heimat, nun fürchten sie im Debütfilm von Christian Petzold, der am Mittwoch um 22.25 Uhr bei 3sat läuft, gerade um dieses eigene Überleben. Das Drama schildert eindringlich und kühl den Versuch der «Helden», in den Alltag zurückzukehren.

Erzählt wird vor allem vom Innenleben, von den Hoffnungen und Träumen des Paares Clara (Barbara Auer) und Hans (Richy Müller) und seiner 15-jährigen Tochter Jeanne (Julia Hummer). Brasilien heißt deren Ziel, dort soll mit neuen Identitäten nach Jahren der sozialen Isolation auch für die kontaktschwache Jeanne ein besseres Leben beginnen. Doch bei einem Einbruch in eine Wohnung an der portugiesischen Küste verliert die Familie ihre verbliebenen Ersparnisse und alle Papiere. In Deutschland hofft sie auf die Unterstützung alter Sympathisanten, die sich allerdings von den Idealen vergangener Tage gelöst haben.

So bleibt das Paar Gefangener seiner Vergangenheit, während die unschuldige Tochter endlich versucht, die selbst angelegten Ketten zu sprengen. Ihre Träume stehen im krassen Gegensatz zu den verblassten Utopien der Eltern. Die Halbwüchsige verliebt sich in einen jungen Surfer - auf Kosten der Tarnung ihrer Familie.

Christian Petzolds Film «Innere Sicherheit» wirkt wie eine ideale Ergänzung zu Volker Schlöndorffs ähnlich gelagertem Terrorismus-Drama «Die Stille nach dem Schuss». Auch das Debütwerk will das Leben außerhalb der Norm beleuchten und die Sehnsucht nach Normalität beschreiben. Dabei bleiben Petzolds Bilder eiskalt und ruhig, seine Geschichte wird unaufgeregt und unspektakulär, ohne Parolen und Phrasen, aber präzise erzählt. Der Terror und die Revolution, die die Vergangenheit beherrschten, findet zwischen den Bildern statt. Für Petzold, 1960 geboren, zählt der Mensch, nicht der Mythos.


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