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20.10.2008 von Thilo Nordmeyer.
Mit einem Besucherrekord ist am Sonntag die 60. Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen. Über die fünf Messe-Tage seien 299 112 Besucher gezählt worden.
Das sind so viele wie noch nie, seit die Dauer der Messe im Jahr 2004 von sechs auf fünf Tage verkürzt worden sei, sagte der Pressesprecher der Buchmesse, Thomas Minkus, in Frankfurt. Das entspreche einer Steigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Am Samstag verzeichnete die weltgrößte Bücherschau mit über 78 000 Besuchern den stärkten Andrang in ihrer 60-jährigen Geschichte. Am Sonntag kamen 63 000 Menschen und lauschten unter anderen der irischen Bestseller-Autorin Cecilia Ahern und der Berliner Kult-Schriftstellerin Martina Brandl. Am Vortag hatte der Gangsta-Rapper Bushido seinen zumeist weiblichen Fans seine Biografie vorgestellt. Auf einem deutsch-türkischen Fest berichtete Fußball-Bundestrainer Joachim Löw über seine positiven Erfahrungen als Coach in der Türkei, dem Ehrengast der Bücherschau.
Die Organisatoren des Gastlandauftrittes zogen eine positive Bilanz. Viele türkische Schriftsteller hätten das Forum genutzt, sich international ins Gespräch zu bringen. Amnesty international (ai) sah in der Präsentation einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie in der Türkei. Trotz weiterhin eingeschränkter Meinungsfreiheit hätten die teils hitzigen Debatten auf der Messe dazu beigetragen, Tabus zu brechen, sagte die ai-Türkeiexpertin Amke Dietert. Nach Angaben des Buchmessen-Sprechers Minkus schlägt sich der Erfolg auch in den Verkaufszahlen nieder: «Literatur aus der Türkei ist eine Literatur, die sich in Deutschland etabliert.»
Die Stimmung auf der Messe wurde insgesamt als gut beschrieben. Die Finanzkrise habe sich noch nicht auf den Lizenz- und Rechtehandel ausgewirkt, sagte Minkus. Im «Literary Agents & Scouts Centre» wurden mit 510 Literaturagenten acht Prozent mehr gezählt als im Vorjahr. Als ein Trend gilt derzeit Fantasy-Literatur im Stil der amerikanischen Bestseller-Autorin Stephenie Meyer. Im Sachbuch sind nach Angaben von Minkus Übernatürliches und Parapsychologie im Kommen.
Zahlreiche deutsche Verlage gehen jedoch davon aus, dass sich die Buchbranche der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht entziehen kann. Die Folgen seien noch nicht abzusehen. «Ich hoffe, dass sich das noch nicht auf das Weihnachtsgeschäft niederschlägt», sagte Eichborn-Vorstand Stephan Gallenkamp. Daneben beklagten sich die Verlage über die Zunahme von Diebstählen. «Das ist vielleicht die einzige sichtbare Auswirkung der Finanzkrise», sagte Ruth Geiger, Sprecherin des Diogenes Verlages.
Am Wochenende zeigte sich auf der Buchmesse nochmals Nobelpreisträger Günter Grass, der neben Siegfried Lenz, dem türkischen Nobelpreisträger Orhan Pamuk und dem brasilianischen Bestseller-Autor Paulo Coelho zu den prominentesten Autoren auf der Messe gehörte. Genauso großes Interesse fand Rapper Bushido, der sich mit seinem Bestseller-Buch selbstbewusst präsentierte. «Ich bin der coolste Buchautor, den es zur Zeit in Deutschland gibt, und ich bringe Leute zum Lesen, die das sonst nicht machen.»
Am Samstag tummelten sich auf der Buchmesse Hunderte von Kindern und Jugendlichen in schrillen Kostümen, die um die Auszeichnung «Deutschlands bester Cosplayer» wetteiferten. Beim Cosplay versuchen Anhänger der auch in Deutschland immer populäreren japanischen Manga-Comics und Anime-Filme, ihre Lieblingsfiguren originalgetreu darzustellen.
Grund zur Freude hatten auch mehrere Comiczeichner, die bei der Vergabe des Publikumspreises «Sondermann» zum Zuge kamen. Für den besten nationalen Comic wurde Isabel Kreitz für ihr Buch «Die Sache mit Sorge» ausgezeichnet. Der Band erzählt von dem Journalisten Richard Sorge, der im Zweiten Weltkrieg in Japan für die Sowjetunion spioniert hat. In der Sparte Cartoon setzte sich erneut Ralph Ruthe durch mit seiner neuen Folge von «Shit happens». Er hatte bereits in den vergangenen drei Jahren die Auszeichnung gewonnen.
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20.10.2008 von Thilo Nordmeyer.
Bei RTL wurde die Serie «Die Anwälte» im Januar dieses Jahres nach nur einer Folge wegen zu niedriger Quoten aus dem Programm genommen, in der ARD bekommt sie jetzt eine zweite Chance.
Von diesem Montag an werden die acht Folgen im Wochenabstand jeweils um 20.15 Uhr ausgestrahlt. In der Serie über eine Hamburger Anwaltskanzlei ist Kai Wiesinger in seiner ersten TV-Serienhauptrolle zu sehen.
Der von Wiesinger dargestellte Anwalt Sebastian Britten hat es besonders schwer: «Der nimmt jeden Fall ganz persönlich», sagte der Schauspieler zum Serienstart bei RTL. Für das Projekt hatte der Kölner Privatsender den «Edel & Starck»-Autor Marc Terjung gewonnen, Top-Regisseure wie Miguel Alexandre eingesetzt und ein Schauspielerensemble, zu dem neben Wiesinger noch Julia Bremermann, Carolina Vera, Alexander Held und Johann von Bülow gehören.
Wiesinger haben vor allem amerikanische Ensemble-Serien bewogen, hier einmal mitzuwirken. Sein bisher einziger Auftritt in einer deutschen Serie («Auf Achse» mit Manfred Krug) ist mittlerweile lange her. «Für mich ist das eigentliche Ziel erreicht, wenn die Fälle mehr zum Anlass werden und im Mittelpunkt die Entwicklung der Anwälte und ihrer Beziehungen miteinander stehen», sagt Wiesinger.
Gleich in der ersten Folge wird einiger Sprengstoff gelegt. Denn mit Johann von Bülow als Anwalt Thomas Welka stößt ein «Neuer» zur bisherigen Crew, für den Ehrgeiz und Erfolgsdenken die obersten Kriterien sind. So reißt er auch gleich den ersten Fall an sich: Ein Mann (Christoph Waltz) hat seine Frau erschlagen. Kollegin Dilek (Carolina Vera) hofft auf eine Bewährungsstrafe, aber Welka setzt auf Freispruch, weil der Mann in Notwehr gehandelt haben könnte.
Im Büro von Sebastian Britten sitzt eine alte Dame, die testamentarisch festlegen möchte, mit ihrem geliebten Hund beerdigt zu werden. Das ist nach der deutschen Friedhofsverordnung völlig unmöglich. Doch als die alte Dame in der Kanzlei plötzlich stirbt, sieht sich Britten moralisch verpflichtet, ihren sonderbaren «letzten Willen» doch noch gesetzeskonform zu erfüllen.
Die Anwälte der Kanzlei «Blum-Franzen-Britten» haben es mit großen Strafprozessen, aber auch mit heiklen Zivilrechtsfällen und skurrilen Mandanten zu tun. Sie haben Belastungsproben zu überstehen, bei denen neben Professionalität auch das intuitive Gespür für den richtigen Weg gefragt ist. Mit ihren unterschiedlichen Temperamenten sorgen sie für Überraschungen, und nicht immer lässt sich Berufliches vom Privatem trennen.
Nachdem RTL «Die Anwälte» abgesetzt hatte, reagierte Wiesinger empört und äußerte die Vermutung, die Serie sei zu gut für den Privatsender. Dem hielt RTL-Film- und Serienchefin Barbara Thielen nach dem Verkauf an die ARD entgegen: «Von der Qualität der ‘Anwälte’ waren wir immer überzeugt. Auch wenn die Serie von den RTL-Zuschauern nicht akzeptiert wurde, hat sie es mehr als verdient, dennoch ausgestrahlt zu werden.» Bei RTL hatte die erste Folge am 17. Januar in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49- jährigen Zuschauer lediglich einen Marktanteil von 10,7 Prozent erzielt - zu wenig für den Marktführer unter den Privatsendern.
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