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Archive für 20.1.2009
Congratulations President Barack Obama!
20.1.2009 von Thilo Nordmeyer.
In einer mitreißenden und schonungslos offenen Rede hat der neue US-Präsident Barack Obama die amerikanische Nation zur Erneuerung aufgerufen.
Nach acht Jahren unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush rief Obama seinen begeisterten Landsleuten in Washington zu: «Mit dem heutigen Tag müssen wir anfangen, (…) Amerika neu zu gestalten.» Auf den Stufen des Kapitols beschwor er vor Millionen jubelnder Menschen die Kraft und die Einheit Amerikas.
Nach seiner Vereidigung machte der erste schwarze Präsident der US-Geschichte seinem Volk Mut. Das Land müsse stolz sein auf seine verschiedenen Kulturen. «Wir wissen, dass unser zusammengewürfeltes Patchwork-Erbe eine Stärke ist, keine Schwäche. Wir sind eine Nation von Christen und Muslimen, Juden und Hindus - und Nicht-Gläubigen», sagte er. «Wir sind geprägt durch jede Sprache und Kultur, aus jedem Winkel dieser Erde.» Er erinnerte an seinen in Kenia geborenen Vater, der vor weniger als 60 Jahren wegen der Rassentrennung in einem amerikanischen Restaurant nicht einmal bedient worden wäre. Nun habe dessen Sohn den Eid für das Amt des Präsidenten abgelegt.
«An diesem Tag kommen wir zusammen, denn wir haben die Hoffnung über die Angst gestellt, das gemeinsame Ziel über Uneinigkeit und Zwietracht.» Die Herausforderungen seien ernsthaft und zahlreich, machte der 47-Jährige seinen Landsleuten klar. «Sie werden nicht leicht oder kurzfristig zu meistern sein», warnte er vor übertriebenen Erwartungen. «Aber wisse, Amerika: Wir werden sie meistern.» Amerika dürfe keine Zeit verlieren. «Dass wir uns mitten in einer Krise befinden, weiß inzwischen jeder», sagte der energisch auftretende 44. Präsident der Vereinigten Staaten. «Mit dem heutigen Tag müssen wir anfangen, uns alle am Riemen zu reißen und die Ärmel hochzukrempeln.»
Der neue Präsident nannte als deutliche Zeichen der Krise die Probleme auf dem Immobilienmarkt, die wachsende Arbeitslosigkeit sowie die Mängel des Gesundheitswesens: «Häuser und Arbeitsplätze gingen verloren, Unternehmen wurden geschlossen. Unsere Gesundheitsversorgung ist zu teuer, unsere Schulen sind nicht gut genug, und jeder Tag bringt den neuen Beweis dafür, dass die Energien, die wir nutzen, unseren Planeten bedrohen.» Genauso bedrohlich sei «das schwindende Selbstbewusstsein quer durch unser Land, die nagende Angst, dass Amerikas Niedergang nicht aufzuhalten ist und dass die nächste Generation ihre Erwartungen herunterschrauben muss». Dies allerdings werde nicht eintreten.
Obama kündigte gegenüber der muslimischen Welt einen «neuen Weg nach vorne» an, der begründet sei auf «gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt». Zu Regierungen, die sich mit «Korruption, Betrug und der Unterdrückung abweichender Meinungen an der Macht hielten, seien auf «der falschen Seite der Geschichte». Aber Amerika strecke die Hand zu jenen aus, «die bereit sind ihre Faust zu öffnen.» Die «Nation sei im Krieg gegen ein weitreichendes Netzwerk von Hass und Gewalt», betonte Obama. Die Wirtschaft sei geschwächt, als Folge von Gier und Verantwortungslosigkeit einiger weniger, «aber auch wegen unseres kollektiven Versagens, harte Entscheidungen zu treffen und das Land auf ein neues Zeitalter vorzubereiten».
Als weitere Aufgabe nannte Obama eine neue Irak-Politik an. «Wir werden damit beginnen, in verantwortlicher Weise den Irak den Irakern zu übergeben und einen mühsam errungenen Frieden in Afghanistan zu schmieden.» Auch sonst setzte Obama auf gemeinsame Anstrengungen statt auf eine Einteilung der Welt in Gut und Böse: «Mit unseren alten Freunden und früheren Feinden werden wir unermüdlich daran arbeiten, die nukleare Bedrohung zu vermindern und das Schreckgespenst der Erderwärmung zurückzudrängen.»
Er ermahnte seine Landsleute, die amerikanischen Traditionen nicht aufzugeben. «Wir entschuldigen uns nicht für unseren Lebensstil, und wir werden auch in deren Verteidigung nicht wanken. Jenen, die ihre Ziele durch Terror und die Ermordung Unschuldiger vorantreiben wollen, rufen wir zu: Unser Geist ist stärker und kann nicht gebrochen werden. (…) Wir werden Euch besiegen.»
Amerikas Gründungsväter hätten «mit ihrem Blut» die Demokratie sowie Bürger- und Menschenrechte erkämpft, die es zu erhalten gelte, sagte Obama. «Wir weisen die Wahl zwischen Sicherheit und unseren Idealen zurück», sagte er. Amerikas Ideale leuchteten noch immer in der Welt. «Und so sage ich zu allen Völkern und Regierungen, die heute hier zusehen, (…) Amerika ist ein Freund jeder Nation und jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes, die nach einer Zukunft in Frieden und Würde suchen - wir sind wieder bereit zu führen».
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Springer stellt YAM ein
20.1.2009 von Thilo Nordmeyer.
Mit sofortiger Wirkung verabschiedet sich der Springer-Verlag von der Jugenzeitschrift “Yam”.
Wie heutzutage üblich lässt man die Marke jedoch im Internet weiterleben. Doch auch da sind die Aussichten derzeit nicht wirklich rosig.
Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Nachdem der Axel Springer Verlag im vergangenen Frühjahr die Erscheingusweise seiner Jungengzeitschrift “Yam” auf einen monatlichen Turnus reduziert hat, wird das Blatt nun mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Marke des Titels soll allerdings online unter “yam.de” weiter betrieben werden.
“Yam” finde ihre Zielgruppe vor allem in Internet, heißt es seitens des Verlags. Doch auch dürfte es äußerst schwierig werden, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Während “yam.de” im vergangenen Dezember laut IVW auf rund 67.000 Visits kam, weist Bauers “bravo.de” eine Bilanz von 1,5 Millionen Visits aus.
Die Zeitschrift “Yam” wurde im Jahr 2000 gegründet und konnte zwischenzeitlich mehr als 400.000 Exemplare absetzen. Vor der Umstellung auf die monatliche Erscheinung lag die Auflage nur noch bei knapp über 100.000 Heften. Mit der Einstellung des Heftes wird es bei Axel Springer Mediahouse Berichten zu Folge Entlassungen im einstelligen Bereich geben. Einige der Mitarbeiter des Titels wechseln in die Online-Redakton oder andere Abteilungen des Verlags.
“Yam”-Chefredakteur Norbert Lalla kümmert sich künftig wieder ausschließlich um die “Popcorn”. Die Leitung von “yam.de” liegt bei Doris Wiedemann, Verlagsleiterin New Media. Die Einstellung der Zeitschrift bei Lebendighalten der Marke im Internet ist in diesen Tagen keine Seltenheit. Ein ähnliches Schicksal ereilte zum Beispiel bereits das Lifestyle-Magazin “Max” und das Mädchen-Heft “Sugar”. Damit besteht auch die Möglichkeit, bei passender Gelegenheit einzelne Sonderhefte auf den Markt zu bringen, was Springer auch für die “Yam” nicht ausschließt.
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Obama übernimmt
20.1.2009 von Thilo Nordmeyer.
Die Augen der Welt ruhen auf einem Mann: Der 47 Jahre alte Demokrat Barack Obama legt vor Millionen Menschen in Washington als erster schwarzer Präsident der US- Geschichte seinen Amtseid ab.
Symbolträchtig wird er dabei auf den Stufen des Kapitols, das einst von Sklavenhand erbaut wurde, seine Hand auf jene Bibel legen, auf die schon Präsident Abraham Lincoln vor fast 150 Jahren seinen Eid schwor.
Obamas Präsidentschaft kündet von der Vollendung der Politik Lincolns, der die Sklaverei abschaffte - und der Verwirklichung des «Traums» von Martin Luther King. Der Bürgerrechtler hatte vor über 45 Jahren vier Kilometer vom Kapitol entfernt vor der Lincoln- Gedenkstätte die Gleichberechtigung der Schwarzen beschworen. Genau dort, wo Obama am Sonntag vor Hunderttausenden Zuschauern mit Rockstars wie Bruce Springsteen und U2 den Beginn der «neuen Ära» feierte.
Der historische Amtswechsel im Weißen Haus hat die «beeindruckende Fähigkeit Amerikas zur Selbsterneuerung» («New York Times») bewiesen - aber mit ihm verbinden sich auch enorme Erwartungen. Am Dienstag beginne der «Neustart für unsere Nation», so Ex-Außenminister Colin Powell. Der charismatische Obama soll als Führer der Supermacht in Zeiten von Kriegen und Wirtschaftskrisen seinem Land und der Welt neue «Hoffnung» geben, einen «Wandel» zu Frieden und wirtschaftlicher Blüte bewirken. Mit diesen Versprechen hatte er seine Landsleute begeistert und den Wahlsieg errungen.
Mit dem Amtseid beginnt für Obama die knallharte Zeit der politischen Bewährung. «Die Erwartungen und Hoffnungen, die nun weltweit auf Obama ruhen, sind gewaltig, übertroffen werden sie vermutlich nur von dem Gebirge an ungelösten Problemen, Krisen und Konflikten, die ihm George W. Bush hinterlässt», schrieb Ex-Außenminister Joschka Fischer. «Kann ein einzelner Mensch diesen riesenhaften Erwartungen überhaupt gerecht werden?»
Die ungeheure Zahl der Menschen rund um das Kapitol und auf der «National Mall» wird Obama noch mal vor Augen führen, wie sehr ihn seine Landsleute verehren. Er startet auf einer Woge der Euphorie. Obama übernimmt ein Land, das nach acht Jahren Bush in zwei Kriege verstrickt ist, das in eine Wirtschaftskrise hineinschliddert, die er als «die schwerste Krise seit Generationen» bezeichnet - und ein Land, in dem die Menschen, völlig untypisch für Amerika, an sich selbst zu zweifeln begonnen haben.
Das Ansehen der USA befand sich unter Bush in vielen Teilen der Welt auf einem Tiefpunkt. Irakkrieg, Menschenrechtsverletzungen im Namen Amerikas und Erfolglosigkeit an den Krisenherden gehören zum außenpolitischen Erbe, das Obama übernimmt. Für die Amerikaner noch wichtiger ist aber, wie er die Krise der Ökonomie angeht. «Wir haben den Tiefpunkt noch gar nicht erreicht», warnt Obama. Noch kennt niemand das wirkliche Ausmaß der Krise. Obama übernimmt nicht wie Franklin D. Roosevelt 1933 eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent. Sie beträgt nur 7,2 Prozent, was für die USA schon sehr hoch ist. Selbst das Obama-Team glaubt nicht an eine rasche Wende.
«Ja, wir schaffen das», lautete der eingängige Wahlkampfslogan Obamas. Und er hat in einem dramatischen Wahlkampf bewiesen, dass er wie kein anderer politischer Außenseiter vor ihm seit John F. Kennedy in der Lage ist, zu kämpfen, zu inspirieren und Menschen mitzureißen, dass er ein schlagkräftiges, kompetentes Team zusammenstellen kann. Er nutzte erstmals mit größter Effizienz moderne Medien wie SMS, die Videoplattform «You Tube» oder soziale Web-Netzwerke wie «Facebook» - und will das zur Mobilisierung der Bürger auch weiter tun. Angesichts seiner weltweiten Popularität und seiner Glaubwürdigkeit steht Obamas Start unter einem äußerst günstigen Stern.
Schon bei der Zusammenstellung seiner Regierung und der Dauerpräsenz in den Medien seit dem Wahlsieg hat Obama Tatkraft und Geschick bewiesen. Auch wenn er die Parteilinke enttäuscht hat, zeugt sein Team - mit Außenministerin Hillary Clinton und dem weiter amtierenden Verteidigungsminister Robert Gates - von kühlem Pragmatismus. Entgegen dem Vorwurf von Republikanern, er sei ein «linker Ideologe», strebt Obama bisher nüchterne Lösungen an. Amerika soll sich lösen von «Ideologie, Kleingeistigkeit, Vorurteilen und Engstirnigkeit», wie er am Samstag erneut betont.
Obamas Pragmatismus bedeutet aber auch, dass seine Wahlversprechen, den Irakkrieg rasch zu beenden und das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo zu schließen, nicht ganz so rasch umgesetzt werden. Obama sagt zwar, «Folter wird es nicht geben», aber schon jetzt hören sich seine Äußerungen über die Aufgaben des Geheimdienstes CIA sehr viel differenzierter an als früher.
Die Freude in Europa über Obamas Wahlsieg könnte auch rasch getrübt werden, wenn er neue Anstrengungen in Afghanistan und im Irak verlangt. Auch wird Europa gefordert sein, wenn Obama trotz des angestrebten «neuen Ansatzes» in der Iranpolitik rasch neue Sanktionen und mehr politischen Druck auf Teheran einklagen wird. Denn «ein nuklear bewaffneter Iran ist nicht akzeptabel», wie Obama mehrfach betont hat, dieses Problem «hält mich nachts wach».
Obama weiß, dass er auch enttäuschen wird: Er warnt seine Mitbürger, dass «alle Opfer bringen müssen», «es erst einmal schlimmer wird, bevor es besser wird». Auch die Realisierung seiner sozialen und umweltpolitischen Pläne ist gefährdet. Noch ist unklar, ob sein Konjunkturprogramm - die Rede ist von 1,3 Billionen Dollar (955 Milliarden Euro) - im Kongress eine Mehrheit findet, ob die 50 Millionen US-Bürger ohne Krankenversicherung bald Hilfe erhalten.
Obama hat seine Landsleute mit der «Vision» eines besseren, moralischen, eines «neuen Amerikas» überzeugt - aber er tritt nicht als Revolutionär an, er glaubt an den «amerikanischen Traum», den freien Markt, auch wenn er das größte staatliche Investitionsprogramm in der US-Geschichte anstrebt. Schon in seiner Biografie schrieb Obama, dass er vielen Menschen als «Projektionsfläche» für eigene politische Träume diene. Die Realität, als 44. Präsident der USA die Geschicke des mächtigsten Staates zu bestimmen, wird zwangsläufig viele ernüchtern. (dpa&ilo)
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