Archive für 10.6.2009

Angst vor Folgen der Krise: So lässt sich sparen

Börsencrash, Kurzarbeit, die schlechteste Wirtschaftsprognose seit Jahren: Vielen Deutschen machen die Nachrichten derzeit Angst. Arbeitsmarktexperten befürchten, dass einige Hunderttausend ihren Job verlieren werden.

Schon jetzt müssen viele den Gürtel enger schnallen. Vieles lässt sich dabei tun, ohne dass der Lebensstandard merklich sinken muss. Aber es gibt auch Grenzen im Bemühen, die Haushaltsausgaben zu verringern.

Eine Übersicht bringt das klassische Haushaltsbuch. Darin werden alle Einnahmen und Ausgaben lückenlos über einige Monate dokumentiert. «Wir erleben derzeit eine Renaissance der Haushaltsplaner», hat Kathrin Wirtz vom Beratungsdienst «Geld und Haushalt» des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in Berlin festgestellt. Bei den Budgetexperten gibt es sie mittlerweile nicht nur auf Papier, sondern auch webbasiert.

Auch über die Verbraucherzentralen seien die Planungshilfen erhältlich, selbst eine Ausgabe mit ökologischem Schwerpunkt - einen Planer für den nachhaltigen Haushalt - gebe es mittlerweile. Das deutet bereits an: «Den einen Spar-Tipp gibt es nicht», sagt Wirtz. Wer sparen will, müsse zunächst die monatlichen Fixkosten von den variablen Posten trennen. «Fix sind zum Beispiel die Miete, eine Darlehensrate und Versicherungsbeiträge, Abonnements und Mitgliedsbeiträge», erläutert die Finanzexpertin.

Grundsätzlich zählt sie Wohnen, Ernährung, Kommunikation und Verkehr zu den eher veränderbaren Ausgabenpunkten - also Hausrat, Reparaturen, Nahrungsmittel, Genussmittel, Restaurantbesuche, Bekleidung, Kino und Theater, Benzin, Geschenke und Haustiere. Diese Liste zeigt: Allzu viele Ausgaben, die ohne große Einschränkungen zu verringern sind, gibt es nicht - aber es gibt welche.

Bankenverkehr und Versicherungen: Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig schätzt die Haftpflichtversicherung als essenziell ein. Eine Rechtsschutz- oder Glasbruchversicherung müsse das dagegen nicht sein. «Und auch bei den notwendigen Policen kann ich sparen - durch Anbietervergleich und -wechsel.» Wer bereit ist, bestimmte Bedingungen in Kauf zu nehmen - etwa die Online-Verwaltung -, könne auch die Gebühren für das Girokonto auf Null drücken.

Lebensmittel: Auch wenn die Eltern ihren Kindern einbläuen, am Essen solle nicht gespart werden, birgt das Einkaufsverhalten vieler Menschen doch großes Einsparpotenzial. «Einen Einkaufszettel zu schreiben hilft wirklich sehr - man tätigt weniger unnütze Einkäufe», sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Er rät, bei den Grundnahrungsmitteln genau hinzusehen. «Wasser kann ich wirklich unbedenklich beim Discounter kaufen. Da gibt es keinen großen Qualitätsunterschied. Und grundsätzlich ist das Trinkwasser in Deutschland so gut untersucht, dass ich es auch aus der Leitung trinken kann.» Das sei naheliegenderweise am günstigsten.

Discounter oder Marke: Auch Weißmehl, Zucker, Pasta und Reis oder Milch seien beim Discounter nicht schlechter. Und die Handelsmarken der übrigen Supermärkte stünden den stark beworbenen Marken in nichts nach. «Das sind Standardprodukte, die einer starken Kontrolle unterliegen», erläutert Valet. Beim Joghurt aber rät er zur Auswahl: Handelsmarken seien ebenso gut wie andere. Den «probiotischen Joghurt» aber könne man sich sparen - ein normaler Joghurt habe ebenso gute Auswirkungen auf die Darmflora.

Beim Brot dagegen lohnt es sich seiner Einschätzung nach, einen Euro mehr auszugeben. Und wer bei Fleisch, Obst und Gemüse Frische und Qualität will, bekomme sie zu Cent-Preisen in aller Regel nicht. Wurst und Käse müssten allerdings an der Supermarkt-Theke nicht besser sein - auch diese Ware kommt, ebenso wie die verpackte, vom Großhandel. Der Unterschied bestehe darin, ob der Markt eine eigene Fleischerei hat, sagt Valet. Andernfalls sei die Ware aus der Kühltheke nicht unbedingt schlechter - Präsentation und Bedienung machten den Unterschied.

Literatur: Der Ratgeber der Verbraucherzentralen «Das Haushaltsbuch. Unternehmen Haushalt - alle Finanzen im Griff Ausgaben und Einnahmen für 12 Monate» ist für 5,90 Euro plus 2,50 Euro im Internet bestellbar.

Ratgeber «Das Haushaltsbuch»: www.verbraucherzentrale.de

Deutsche Energie-Agentur: www.dena.de

Beratungsdienst der Sparkassen-Finanzgruppe: www.geld-und-haushalt.de

Verbraucherportal für Finanzen: www.whofinance.de

Buchmesse bleibt in Frankfurt

Die Buchmesse wird über «einen längeren Zeitraum hinweg» in Frankfurt bleiben. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus zuverlässiger Quelle.

Einen Bericht der «Bild»-Zeitung, wonach sich die Stadt und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf einen Verbleib der weltgrößten Bücherschau für «mindestens acht Jahre» geeinigt haben, wollten beide Seiten weder bestätigen noch dementieren.

Einzelheiten will an diesem Mittwoch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) zusammen mit Buchmessen-Direktor Juergen Boos und dem Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, vor der Presse erläutern. Laut «Bild» läuft der Vertrag sogar deutlich länger als acht Jahre, die Buchmesse habe aber ein Sonderkündigungsrecht.

Verhandlungen über eine Fortsetzung des bis zum Jahr 2010 befristeten Vertrags laufen seit längerem. Organisiert wird die weltgrößte Bücherschau von einer Tochtergesellschaft des in Frankfurt ansässigen Börsenvereins. Buchmessen-Chef Boos gilt seit langem als engagierter Befürworter des Standorts Frankfurt - allein schon wegen der hervorragenden verkehrstechnischen Anbindung. Im vergangenen Jahr feierte die Frankfurter Buchmesse ihr 60-jähriges Bestehen.

Boos’ Vorgänger Volker Neumann hatte im Jahr 2003 mit dem Weggang der Messe nach München gedroht, weil die Stand- und Hotelpreise in Frankfurt zu hoch seien. In der Folge einigte sich dann die Buchmesse doch mit Stadt und Messe auf einen neuen Vertrag. Neumann musste 2005 dann seinen Posten räumen.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte im Oktober 2008 endgültig entschieden, in Frankfurt zu bleiben und bis Ende 2011 ein neues Gebäude zu beziehen. In den vergangenen Jahren war im Verband mehrfach über einen möglichen Umzug nach Leipzig oder Berlin diskutiert worden. Der Börsenverein hat zusammen mit seinen Tochtergesellschaften rund 320 Beschäftigte.

Gefährliche Spuren: Das Internet vergisst nichts

Anna weiß, dass das Internet zur Falle werden kann. Die Berliner Schülerin trifft sich oft mit einer Gruppe von Freundinnen aus ihrer Klasse im Netz, wo die Mädchen über private Dinge tratschen.

Nach einer Weile bemerkte Anna, dass ihr Foto zweimal unter den Mitgliedern der Gruppe auf dem Portal SchülerVZ erschien. Was war passiert? Ein Junge aus ihrer Klasse hatte Annas Zugang kopiert und ihn gefälscht, berichtet die Schülerin. Schlimmer noch: Er habe ihren Freundinnen Botschaften geschickt, in denen er schrieb, in wen sie gerade verliebt sei. Dieser Fall ging gut aus: «Dann habe ich gesehen, wie er das gelöscht hat.»

Anna ist eine von mehr als 20 Millionen Jugendlichen in Deutschland, die sich in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, StudiVZ, Facebook, Wer-kennt-wen oder Lokalisten tummeln. «Das Internet ist der Schulhof des 21. Jahrhunderts», sagt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), die Jugendliche mit der Kampagne «Watch your web» vor Gefahren im Internet warnt. Sie hat wie Anna bereits negative Erfahrungen im Netz gemacht. «Ich wundere mich auch manchmal über Bilder, die wieder auftauchen.» Moderator und Schauspieler Ole Tillmann hat ähnliches beobachtet und warnt: «Es gibt diese Risiken».

«Es bleibt nichts anonym», warnt die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit. Eine Studie der Universität Texas habe ergeben, dass ein Nutzer in einem Netzwerk zwar anonym sein kann, durch Querverweise auf anderen Seiten aber möglicherweise erkannt wird. So kursierten beispielsweise kurz nach dem Amoklauf von Winnenden Fotos von Opfern, die aus Profilen sozialer Netzwerke stammten.

Drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen stellen vor allem Informationen zu Hobbys und Vorlieben online, ergab eine Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest aus dem Jahr 2008. 60 Prozent zeigen Fotos von sich, Freunden oder der Familie. Ein Drittel erlaubt dabei, dass die Daten für alle einsehbar sind, 61 Prozent lassen nur Freunde zu. Mädchen geben zudem bereitwilliger Persönliches von sich in Communities preis als Jungen.

Und auch Mobbing ist verbreitet: Jeder vierte Jugendliche berichtet, dass ein Freund bereits im Netz gemobbt wurde. Außerdem tummeln sich im Internet Erwachsene, die unter falschem Namen sexuellen Kontakt über soziale Netzwerke suchen. Dieser Trend («Cybergrooming») nimmt nach Angaben der Bundesregierung zu.

Die Kampagne «Watch your web» der Bundesverbraucherministerin soll deswegen mit Videoclips helfen, dass Jugendliche sensibler für Risiken werden. Die Comic-Figur «Webman» kämpft dabei gegen Bösewicht «Data Devil». StudiVZ-Manager Malte Cherdron betont: Die Nutzer sollten sich in sozialen Netzwerken sicher fühlen.

Der Kinderpornografie im Internet will die Koalition einen Riegel vorschieben. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant, dass das Bundeskriminalamt (BKA) Seiten bei Verdacht auf kinderpornografischen Inhalt auf eine Liste setzt und Internet- Provider die Seiten sperren. Kritiker haben allerdings zahlreiche rechtliche Bedenken gegen das Verfahren. Außerdem warnen sie, dass mögliche Sperren umgangen werden können. Von der Leyen will nun auf die Kritiker zugehen.

Anna ist inzwischen vorsichtiger beim Surfen. Auch ihre Mutter ist Mitglied einer «Online-Community». Das stört Anna nicht: «Ich schreib’ da aber jetzt nichts Schlimmes», sagt er.

|