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Arte-Rerportage aus Nordkorea
Dieser Eintrag stammt von Thilo Nordmeyer Am 17.7.2009 @ 12:53 In Nordmeyer | Keine Kommentare
Morgens um sieben Uhr fährt ein Lieferwagen durch das fast menschen- und autoleere Pjöngjang. Mit der aufgepflanzten, laut aufheulenden Sirene werden die Menschen in der Hauptstadt geweckt.
Danach ertönen Propagandalieder, die im Tagesverlauf an allen Ecken die Menschen berieseln. Im Reich des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il ist das Leben reguliert. Ausländern ist es nur unter strengen Auflagen genehmigt, im Land zu filmen.
Nicht besser erging es auch einem dreiköpfigen Reporter-Team des deutsch-französischen Kultursenders Arte, das sich im April nach Nordkorea begab, um den Beitrag «Nordkorea: Wo der Stalinismus singt und lacht» zu drehen, der an diesem Samstag (19 Uhr) ausgestrahlt wird. «Nur mit einem geschickt gewählten Vorwand gelang es unseren Reportern, die Einreiseerlaubnis für Nordkorea zu erhalten», heißt es von Arte in der Ankündigung im Internet vielversprechend.
«Sie wollten die Festlichkeiten zum Geburtstag des toten Diktators Kim Il Sung filmen. Dies war ihre Eintrittskarte in den letzten Hort des Stalinismus», textet Arte weiter. Doch den Reportern blieb nichts anderes übrig als unter ständiger Bewachung mehrere Musiker zu interviewen, die anlässlich des Jubeltages rund um den «ewigen Präsidenten» ihre Auftritte hatten. Kritische Fragen waren nicht erlaubt, wird in dem Beitrag erklärt.
Der Personenkult lässt die Nordkoreaner zu Sprech-Masken erstarren. Sie plaudern permanent in die Arte-Kamera, in welchem Maße sie ihren «General», gemeint ist der amtierende Diktator Kim Jong Il, lieben, verehren und was sie ihm alles zu verdanken haben. Bei Arte heißt es über die stichwortgebenden Reporter weiter: «Es gelang ihnen, in der puren Zurschaustellung des Regimes, dessen Irrsinn zu entlarven oder besser: ihn sich selber entlarven zu lassen.»
Eine 24-jährige Nachwuchssängerin preist unter den Porträts beider Führer an der Wand musikalisch den Sohn Kim Jong Il an: «Wir nennen ihn unsere Sonne, unseren General, wir nennen ihn unseren Mond, unseren General.» Später sagt sie: «Es ist, als würde ich vor meinem Vater singen.» Der Konservatoriumsleiter wettert gegen die westliche Musik: «Jazz ist nichts für unseren Geschmack. Unsere Musik ist graziler und gefühlsbetonter.»
Auch eine junge Tänzerin erweist sich als glühende Verehrerin des «Generals», der nach neuesten Berichten unter Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet. Lange erzählt sie von ihrer großen Liebe zum Machthaber. Sie wohnt mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn unter einem Dach. Der Junge liegt im Schlafzimmer seiner Eltern. Dabei sind sie schon um eine sozial privilegierte Familie, die mitten im Steinzeitkommunismus eine Hifi-Anlage, einen Fernseher und Parfüm besitzt - alles Geschenke vom «geliebten Führer».
Im Konservatorium fragt die Lehrerin ihre Gesangsschüler: «Hilft es ihnen, beim Singen an Mähdrescher zu denken?» Ein einstimmiges «Ja» ist die Reaktion. Auf einer Botanik-Ausstellung, Pflicht für die Hauptstädter, wachsen zwei verschiedene Blumen: Die Kim Jong Ilae und die Kim Il Sungae. Und auch ein Blick in eine Vorzeigefabrik wird gestattet, in der Videokabel hergestellt werden. Dort sitzt ein musikalisches, in Blaumänner gekleidetes Trio mit Schlagzeug und Gitarre und unterhält die Belegschaft.
Der Film klingt aus mit Bildern zur Gedenkfeier an den «ewigen Präsidenten». Vorm Regierungspalast gibt es sogar noch ein kleines Straßenfest mit linientreuen Tänzerinnen und Tänzern. Um 20.30 Uhr ist Schluss. Die Lampen werden einfach ausgeschaltet.
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