Die globale Rezession treibt in den Armutsregionen der Welt die Nachfrage nach sogenannten Mikrokrediten für Kleinstunternehmen in die Höhe.
«Es wird durch die Krise dazu kommen, dass viele Menschen in diesen Ländern ihren Arbeitsplatz verlieren und gezwungen werden, sich selbstständig zu machen, weil es praktisch kein Sozialsystem gibt», sagte Adalbert Winkler, Professor für Entwicklungsfinanzierung an der Frankfurt School of Finance & Management, der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Bei Mikrokrediten geht es je nach Weltregion um Summen von wenigen Euro bis zu 10 000 Euro. Sie werden von Nicht-Regierungs-Organisationen, Banken oder speziellen Institutionen an Menschen vergeben, die sich eine Existenz als Kleinstunternehmer aufbauen. Sie gelten als wirksames Instrument im Kampf gegen die Armut in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Ökonom Muhammad Yunus aus Bangladesch hatte diese Kredite entwickelt und dafür 2006 den Friedensnobelpreis bekommen.
Winkler sagte, die Institutionen, die diese Darlehen vergeben, seien heute stärker in die internationalen Finanzmärkte eingebunden als noch vor einigen Jahren und deshalb auch anfälliger für eine globale Krise. «Diese Inseln von vor 15 oder 20 Jahren gibt es heute nicht mehr», sagte der Entwicklungsexperte. Auch bei den Mikrofinanzinstitutionen gebe es eine Kreditklemme.
Die Entwicklungsinstitutionen wie die Weltbank würden in dieser Situation erheblich an Bedeutung gewinnen, meinte Winkler. In den vergangenen Jahren hätten sich viele Mikrofinanzinstitutionen auch auf dem privaten Sektor refinanziert. «Das ist heute deutlich schwieriger. Deshalb ist jetzt die Zeit der klassischen Entwicklungsbanken wie der Weltbank oder der KfW gekommen, die Stabilität des Mikrofinanzsektors zu unterstützen.»
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